MITTWOCH, 19. MAI 2010, DALLAS / FORT WORTH (TEXAS)


Der letzte eigentliche Chasingtag unserer diesjährigen Tour erinnerte über weite Strecken an ein Szenario aus dem Jahr 2007, als wir von Dallas aus eine lange Hin- und Rückfahrt für ein Moderate Risk-Gebiet im Oklahoma Panhandle in Kauf nahmen. 


Auch diesmal zeichnete sich der Dienstag schon zu Wochenbeginn als interessanter Tag ab, als jedoch am Dienstagmorgen das Storm Prediction Center (SPC) offiziell von Slight auf Moderate hochstufte und sich auch die Wetterkarten mehr in Richtung Superzellen mit Tornadogefahr einigten, war klar, dass es wieder ein besonders anstrengender Chasingtag werden würde.


Nach einer über fünfstündigen Fahrt von Granbury, Texas nach Tulia im Texas Panhandle waren die Erwartungen trotz leichter Müdigkeit hoch. Mit starkem Südostwind wurde feucht-warme Luft aus dem Golf von Mexiko auf die High Plains getrieben und gleichzeitig schob sich ein massiver Jetstream aus dem trockenen New Mexico gen Nordosten. Die Mischung war günstig für Superzellen mit großem Hagel und einigen Tornados.


Nachdem wir westlich von Tulia einige Zeit vergeblich auf "Zündung" warteten, während nordwestlich von Amarillo eine erste, sehr heftige Gewitterzelle entstand, entschlossen wir uns nach einigem Zähneknirschen dann doch zur Weiterfahrt in den Norden bis in die Gegend um Stinett, ein kleiner Ort nordöstlich von Amarillo, wohin sich die tornadische Superzelle langsam durchgearbeitet hat.


  


Es blieb uns nur noch eine gute Stunde Tageslicht, doch dass die Show auch nach Sonnenuntergang noch extrem lohnenswert sein würde, dachten wir zunächst nicht. Die rotierende Zelle zeigte keinerlei Schwächen und marschierte gerade weiter nach Ostsüdost und wir mit ihr am Südrand. Bis kurz nach 23:00 Uhr erlebten wir eine unglaubliche Blitzshow mit einem Dauergeflacker par excellence. Garniert wurde das ganze mit starkem Inflow-Wind bis 75 km/h und einem massiv rotierenden Aufwind. Eine Tornadowarnung folgte der anderen, doch in der Dunkelheit und nur vom Schein der ständigen Blitze erhellt war es schwierig zu sehen, ob sich aus der Wolkenbasis nochmals ein Wolkentrichter herabsenkte oder nicht. 










Bei Canadian fuhren wir schließlich noch unter die Zelle und nah an den Hagelbereich heran. In Canadian selbst hagelte es hühnereigroße Eisbrocken und zeitweise waren auch Tornadosirenen zu hören. Insgesamt war es ein wirklich würdiger Abschluss einer spannenden Tour durch die Great Plains der USA.






Wir bedanken uns bei allen Lesern unseres Blogs und hoffen, daß Sie auch nächstes Jahr wieder mit dabei sind – im Blog oder live mit uns in den Great Plains!



DIENSTAG, 18. MAI 2010, ON THE ROAD IN TEXAS


Das SPC hat ein Upgrade auf „MODERATE RISK“ vorgenommen. Vor uns liegen nun 7 Stunden Fahrt von Granbury (TX) bis wahrscheinlich nach Amarillo (TX), damit wir die Zone einer Tornadowahrscheinlichkeit von 15 % erreichen können.


Nach dem Chasing heute Abend werden wir eher nicht in ein Motel gelangen, sondern direkt zum DFW Airport durchfahren und unsere Koffer morgen früh bei der Autovermietung packen. Insofern bitte ich um Geduld mit dem heutigen Chasing-Bericht, da Fahrer und Blogschreiber ein und dieselbe Person sind.


In jedem Fall ist das „MDT“ ein schönes Abschiedsgeschenk für uns.





MONTAG, 17. MAI 2010, GRANBURY (TEXAS)


Der heutige Tag war gewittertechnisch ziemliches Mittelmaß. Nach den Sonntagszellen in Zentraltexas brannte am Vormittag die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel und es war einmal mehr sehr schwül. Weit nordwestlich von uns brachte jedoch ein Gewittersystem schon in den Morgenstunden Orkanböen bis 135 km/h und Hagel. Dieses konvektive System zog im Laufe des Tages weiter nach Südosten, während sich davor an einer schwachen Front neue Gewitterzellen bildeten. Nachmittags wuchs dann alles zwischen Dallas und Abilene mit riesigen Gewittergebieten zu, doch meist brachten diese vor allem sehr viel Regen, etwas Hagel und einige Sturmböen. Mehr Dynamik dürfte der morgige Dienstag bringen, dann werden wir uns ins Texas Panhandle begeben und hoffentlich wieder fotogene Superzellen beobachten.


  

Unorganisierte Gewitter bei Eastland (TX).


  

V.l.n.r.: Lars, Teddy, Max, Bianca und Julian in Downtown Fort Worth.


  

Downtown Fort Worth (TX).



SONNTAG, 16. MAI 2010, GRANBURY (TEXAS)


Nach einem schönen und langen Abend in Fredericksburg zeigte sich der Sonntag von der Wetterlage her anfänglich nicht uninteressant. Das SPC hatte für Teile von Westzentraltexas und weiter bis nach Oklahoma hinauf ein Slight Risk herausgegeben. An feuchtwarmen, labilen Luftmassen fehlte es nicht, jedoch war es mit der Dynamik in der Atmosphäre nicht weit her und so folgte gegen Mittag ein Downgrade auf eine normale Gewitterzone. In Oklahoma brachte eine isolierte Superzelle lokal bis zu zehn Zentimeter große Hagelgeschosse, währenddessen entschieden wir uns bei 30°C und einem Himmel voller Quellwolken in Brady, Texas zu einer gemütlichen Fahrt nach Granbury, südwestlich von Fort Worth.


Dort wollen wir am Abend Freunde eines Tourgastes besuchen. Auf dem Weg dorthin entwickelten sich im Laufe des heutigen Nachmittags immerhin einige Gewitterzellen, die zwar nicht an die Intensität einer Superzelle heranreichten, aber dennoch für einen kurzen Schlenker nach Südosten ins Bosque County reichten. Die Zellen entwickelten sich schnell, brachten jedoch aufgrund fehlender Organisation meist nur kurzzeitig kleineren Hagel, Sturm und einige Blitzeinschläge. Somit können wir nun den siebten Tag in Folge mit Gewittern verbuchen.




  




Für die letzten Tage unserer Tour 2010 deutet sich wieder interessantes Wetter an. Die Grafik des National Weather Service Forecast Office in Norman, OK zeigt einfach und prägnant die Situation für Dienstag und Mittwoch an. So werden besonders im Texas Panhandle jeweils nachmittags und abends schwere Gewitter inklusive Superzellen erwartet, die sich zur Nacht dann zu einem größeren System ausweiten und nach Südosten ziehen. Somit besteht für uns zum Abschluss wieder Potential für gute Chasings.





SAMSTAG, 15. MAI 2010, FREDERICKSBURG (TEXAS)


Derzeit tut sich das Storm Prediction Center aufgrund einer nicht einfach vorhersagbaren Wetterlage etwas schwer mit der Einstufung und Plazierung der RISK-Gebiete. Umso mehr müssen wir die Stürme mit der kurzfristigen Vorhersage selber finden, sobald sie entstehen. Entgegen der Vorhersage hat sich im Laufe des Abends kein Multizellencluster (ein riesiger Zusammenschluß vieler Gewitterzellen) entwickelt, sondern es sind drei isolierte und sehr ästhetische Gewitterstürme entstanden (die kurzeitig tornadisch bewarnt waren).





Superzelle im Mason County (TX) mit stark ausgeprägten Mammatuswolken.


  

Gewittersturm bei Fredericksburg (TX) mit Böenfront.


  

Der zweite Sturm hat in Fredericksburg große Mengen Hagel mit 2-4 cm  Durchmesser sowie schwere Regenfälle produziert, welche die Kanalisation recht bald überforderten. Im wenige hundert Meter breiten Hagelstreifen sank die Temperatur auf 11°C, während es drei Straßen weiter noch 20°C waren.



Der Abzug der Zelle bot uns noch ein beeindruckendes Bild; wieder sind an der Amboßunterseite sehr plastische Mammatusformationen erkennbar.


Der Sturm setzte uns also im schönen, von deutschen Siedlern gegründeten Fredericksburg (TX) ab. Der Ort ist in den USA bekannt für Weinanbau und eben die sehr deutsche Kultur (mit Biergärten und deutsch geprägter Küche). In einem Saloon kamen wir bei Shiner Bock Bier und sehr gutem Country-Rock mit Einheimischen ins Gespräch. Wieder waren wir beeindruckt von der uns entgegengebrachten Offenheit und Freundlichkeit. Der Ort ist eine Perle für jeden Texasreisenden.


  


 
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