FREITAG, 30. APRIL 2010, HAMBURG
Bald ist es soweit, unsere Tornado-Tour 2010 startet in wenigen Stunden mit unserem Transatlantikflug nach Dallas, Texas. Dort wird die Southwinds Tours-Gruppe am späten Samstagabend ankommen und ins erste Motel im Großraum Dallas-Fort Worth einchecken. Anschließend werden wir vom 2.05 bis zum 19.05 in den Great Plains zwischen Texas und Nebraska unterwegs sein, um neben Eindrücken von Landschaft, Flora, Fauna und Einwohnern beeindruckende und gewaltige Gewitter zu erleben, hautnah und ursprünglich ...
Zur Einstimmung eine (nicht allzu technische) Beurteilung der aktuellen Wetterlage und zum Wetter, dass uns wohl in den kommenden Tagen erwarten wird.
Die erste, ziemlich aktive Wetterlage mit einem Tornadoausbruch in den Südstaaten hat es ja bereits vom 22. bis 24.04 gegeben. Bis dahin war es "severe-weather"-technisch vergleichsweise ruhig, der Tornadocount lag unter dem Mittelwert der letzten Jahre. Das muss jedoch nichts heißen, denn in zurückliegenden Jahren gab es Fälle, in denen es nach einem sehr ruhigen Start mit einem sehr aktiven Mai und Juni weiterging.
Die für uns günstige Wetterlage sieht grob dargestellt so aus, dass wir einen Trog (Region kühlerer Luftmassen inklusive Tiefdruckgebieten) im Westen der USA brauchen, etwa im Gebiet der Rocky Mountains oder westlich davon. Auf der anderen Seite müsste sich im Südosten der USA ein Hochkeil befinden, während die südlichen Great Plains sich dann in einer ausgeprägten südwestlichen Höhenströmung befinden. Durch den Trogeinfluss im Westen der USA entwickeln sich im Lee der Rockies dann oftmals Tiefdruckgebiete, z.B. in New Mexico oder Colorado. Auf der Südostseite dieser Tiefs stellt sich dann ein mehr oder weniger stark ausgeprägter Druckgradient ein, mit dem feucht-warme (energiereiche) Luft aus dem Gebiet um den Golf von Mexiko rasch nach Norden Richtung Texas, Oklahoma, Kansas, Nebraska, Missouri und Arkansas transportiert werden.
Stellt sich also eine solche Großwetterlage ein, dann steigen die Chancen auf Superzellen und Tornados deutlich an. Die Kombination aus energiereicher Luft und Dynamik in der Atmosphäre ist nie so günstig wie zwischen Mitte April und Mitte Juni. Klimatologisch gesehen liegen wir also gerade richtig. Dennoch halten sich einzelne Wettermuster nicht unbedingt an die Statistik, also ist ein genauerer Blick auf die Entwicklung in den kommenden Tagen nötig.
Aktuell befindet sich jedoch ein ausgeprägter Trog über dem Westen und der Mitte der USA. Der Haupttrog über Montana, den Dakotas und Nebraska hat einen "Ableger" etwa über Baja California, der etwas hinterher zieht. Beide Impulse führen bis Samstagabend zu zwei Unwetterepisoden, die das Sturmvorhersagezentrum SPC derzeit jeweils mit SLGT RISKs versehen hat. Die erste Episode wird besonders die Staaten zwischen Louisiana und Wisconsin treffen, die zweite Episode am Samstag einen Bereich zwischen Osttexas und Ohio. Für die Great Plains also beide Mal eher ein "Streifschuss". Für uns bedeutet diese Entwicklung jedoch unter Umständen einen ruckeligen Hinflug von Philadelphia bzw. Atlanta nach Dallas, da wir durch diese Zone durchfliegen werden.
Bei unserer Ankunft in Dallas am Samstagabend gehe ich im Moment von einem leichten Schauer- und Gewitterrisiko aus, die Temperaturen werden von etwa 20°C am frühen Abend auf rund 15°C gegen Mitternacht sinken. Für Nordtexas also vergleichsweise kühl, die Klimaanlagen können wir in unserer ersten Nacht wahrscheinlich auslassen. Sonntag und Montag bringen uns klasse Wetter zum akklimatisieren, Sonntag gibt es Sonne und 26°C, Montag Sonne und 27°C, jeweils bei leichtem Wind und trockener Luft. Die Wärme steigert sich bis auf 32°C am Mittwoch, dann dürfte es auch wieder etwas schwüler werden. Echte "Golfluft" mit Tropenallüren wird das jedoch noch nicht sein, da die bodennahe Luftströmung überwiegend über das Festland wehen wird und der Golf daher zunächst "dicht" bleibt. Vom Blickpunkt des Chasings her interessante Entwicklungen sind also bis einschließlich Mittwoch zunächst nicht zu erwarten.
Im weiteren Verlauf nach dem 5.05 sieht es nach einer überwiegend zonalen Höhenströmung aus. Das bedeutet, dass der Jetstream in größerer Höhe mehr oder weniger von West nach Ost gerichtet ist. Ein massiver Trog im Westen der USA ist momentan bis Ende kommender Woche nicht auszumachen, es wird also erstmal keine klassische Schwergewitter- und Tornadolage geben. Allerdings entwickeln sich in dieser zonalen Strömung gerne kleinere Störungen, die soweit im Voraus von den Wettermodellen nicht ausreichend genau simuliert werden können, Überraschungen in Form plötzlicher, kleinräumiger Risikogebiete sowie nächtlicher Unwetterkomplexe sind also jederzeit möglich.
So bleibt uns nach einem möglicherweise ziemlich turbulenten Hinflug am Samstagabend erstmal Zeit, die Metropole Dallas und die Region zu entdecken und reichlich Sonne zu tanken, die nächste Superzelle kommt bestimmt ;)
SAMSTAG, 01. MAI 2010, IRVING (TEXAS)
Nach einem turbulenten Flug von München über Philadelphia (PA) nach Dallas (TX) durch eine HIGH-RISK-Zone, ist das Team (bestehend aus Bianca, Max, Lars und Julian) wohlbehalten in den USA angekommen. Wir haben bereits im Best Western Irving (TX) eingebucht und freuen uns auf einen gesunden Jetlagschlaf, um unseren Airline-Cola-Rausch auszuschlafen.
Die großflächigen Gewitter auf unserer Flugroute haben die Piloten angekündigt: „There’s a line of severe thunderstorms we have to cross; there’s a gap inbetween where we’re flying through, anyway it might get a bit bumpy“. Die Aufwinde und Ambosse wurden gekonnt umflogen; und uns wurde über eine Stunde (d.h. über 700 km!) ein beeindruckendes Blitzspektakel geboten. Morgen gibt es dann eine genaurer Einschätzung der Wetterlage von Lars.


Man sollte eine Kunstausstellung über die schönsten Industrie-Illustrationen der letzten 30 Jahre machen.
Rechts: Die Unwetter über Tennessee aus dem Flugzeug betrachtet.
SONNTAG, 02. MAI 2010, IRVING (TEXAS)
Nach erholsamem Schlaf bestand der heutige Tagesablauf im Wesentlichen aus Sonnenschein bei angenehm trockenen 29°C und der Besorgung von Konsumelektronik – wer weiß, wann das Wetter uns wieder die Zeit dazu geben wird. Bianca hat sich zunächst eine digitale Fotokamera angeschafft, um Wetter und Reise der kommenden Tage zu dokumentieren. Endlich konnten wir heute auch Apples iPad testen und waren allesamt höchst beeindruckt davon. Es ist ein ziemlich perfektes, durchdachtes, ästhetisches und wertiges Stück Technik, welches Begehrlichkeiten weckt. Noch hat sich keiner von uns eines gekauft (zumal es noch nicht mit Frontkamera ausgestattet ist), wir sind aber gespannt, ob nicht doch jemand nach einem Liter Dr. Pepper Limonade dem Affekt verfällt. Aber es war feierlich, unsere Webseite flüssig laufend auf einem so dünnen Stück Aluminium zu sehen.


Unser Wohnzimmer für die kommenden 18 Tage, ein Ford Flex.
Noch haben wir kein iPad gekauft. Wer mag, kann Wetten abschließen, ob das so bleibt.
Nun kommt der versprochene Wetterbericht von Lars: Während wir also heute Sonne und warmen, trockenen Südwestwind genießen durften, wird uns morgen ein kleiner Höhentrog beschäftigen. Nach der aktuellen Datenlage zu urteilen, wird es besonders Montagnachmittag ein paar isolierte, schwache Gewitterzellen in Nordtexas und Südoklahoma geben. Bei Temperaturen um 29°C und geringer Luftfeuchte (der Wind weht derzeit leider nicht vom Golf von Mexiko nordwärts, sondern eher aus dem Südwesten von Texas zu uns) erwarten wir hohe Wolkenuntergrenzen mit der Gefahr sogenannter trockener Downbursts. Dabei handelt es sich um lokale Fallwinde aus den Schauern und Gewittern, die auf einem oft nur wenige Quadratkilometer großen Bereich Böen von Sturm- bis Orkanstärke bringen können. Auch kleiner Hagel ist nicht ausgeschlossen, doch insgesamt werden die Gewitterzellen zum Wochenstart nicht "severe" sein, aber ein paar Blitze und ordentlich Wind ist – zum Beispiel als Test für unser Equipment – auch gern gesehen. Anschließend kommt die Hitze nach Texas, für den Raum Dallas-Gainesville werden Dienstag bis 31°C, Mittwoch bis 33°C erwartet, das riecht nach Badewetter, Sommerbräune und einem Besuch an den Wasserfällen der Turner Falls in Südoklahoma ...


Das Saltgrass Steakhouse in Irving (TX) von außen und v.l.n.r.: Bianca, Max, Lars und Julian.
MONTAG, 03. MAI 2010, FARMERS BRANCH (TEXAS)
Nach dem Durchgang einer schwachen Kaltfront, der zwar keine schweren Gewitter, aber immerhin Gewitter gebracht hat, konnten wir am Abend schöne, von der untergehenden Sonne angestrahlte Mammatus-Wolken beobachten – soviel zum heutigen Tag. Heute Nachmittag ist eine zweite Stormchaser-Gruppe aus Deutschland eingetroffen; bestehend aus Jens, Michael, Eric und Marco. Morgen und bis zum Rest der Woche wird es Badewetter bis 34°C geben. Unwetterpotential deutet sich frühestens zum Wochenende an.
DIENSTAG, 04. MAI 2010, NORMAN (OKLAHOMA)
Auf unserer Fahrt von Farmers Branch (TX) nach Norman (OK) haben wir den heutigen Nachmittag an den Turner Falls verbracht. Dies ist ein Naturpark in einem kleinen Canyon, der durchzogen ist von kleineren und größeren Wasserfällen, die gelegentlich zu kleinen Bassins aufgestaut werden. Darin ließen sich die trockenen 31°C gut aushalten und dank des böigen Great-Plains-Windes haben wir die Sonnenbrände erst heute Abend so richtig bemerkt.


Das untere Bassin und der große Wasserfall der Turner Falls.
Den heutigen Abend haben wir in Norman (OK) verbracht. Norman ist das Meteorologen-Mekka, da sich hier neben dem staatlichen „National Weather Center“ und dem „Storm Prediction Center“ auch die „School of Meteorology“ der Oklahoma University befindet. Norman bietet seinen Studenten ein angenehmes Ausgehviertel und einen sehr gepflegten Campus.


Ausgehviertel in der Asp Avenue, Norman.
Nun noch eine Einschätzung von Lars: Natürlich können wir solch ein Wetter während unserer Tour für jede Menge Sightseeing sowie Entspannung in der Natur nutzen, doch unser Hauptanliegen sind bekanntlich die majestätischen Superzellen der Great Plains und es stellt sich die Frage, wann denn diese wieder über den weiten Ebenen hier zu bewundern sein werden. Zum Wochenende stellt sich die Wetterlage allmählich um. Was anschließend passiert, lässt sich gut mit dem Wetterbriefing des Büros des National Weather Service in Norman (OK) zusammenfassen (einige Fachbegriffe stecken drin, doch besonders die Message im zweiten Absatz ist doch recht eindeutig :)
RAISED PROBABILITY OF PRECIPITATION A BIT FOR SUNDAY AND SUNDAY NIGHT. ISENTROPIC LIFT AND VERY MOIST AIR ARE EXPECTED SATURDAY NIGHT THROUGH SUNDAY NIGHT OVER MUCH OF OUR AREA. INITIALLY... THE PRECIPITATION SHOULD BE MOSTLY RAIN OR RAIN SHOWERS... THEN THUNDERSTORMS WILL JOIN IN ON SUNDAY.
THE REAL FUN LOOKS LIKE IT WILL BEGIN ON MONDAY... AS A DRYLINE AND ASSORTED OTHER INGREDIENTS SET UP ALONG THE WESTERN EDGE OF OUR AREA. SEVERE WEATHER REMAINS A DISTINCT POSSIBILITY MONDAY EVENING ACROSS OUR WESTERN COUNTIES. IN FACT... ALMOST ANY DAY NEXT WEEK LOOKS AT LEAST SOMEWHAT FAVORABLE FOR SIGNIFICANT... IF NOT SEVERE... WEATHER.
MITTWOCH, 05. MAI 2010, NORMAN (OKLAHOMA)
Den heutigen Tag haben wir am Lake Thunderbird nahe Norman (OK) in der Sonne verbracht und uns abends erneut in das Zentrum von Norman begeben, um dort den „Cinqo de Mayo“ („Fünfter Mai“) zu feiern. Dies ist ein mexikanischer Feiertag wegen des (unerwarteten) Sieges der mexikanischen Armee über französische Streitkräfte im Jahre 1862 in der Schlacht von Puebla, sagt Wikipedia.
Bei einem kleinen, aber schönen Livekonzert von Shane Henry unter dem glasklaren Sternenhimmel Oklahomas haben wir uns noch einmal entspannt für unser morgiges Chasing im „SLIGHT RISK“-Gebiet in Kansas. Die voraussichtliche „Target Area“ wird zwischen Wichita (KS) und Emporia (KS) liegen. Ab morgen gibt es hier also (hoffentlich) auch wieder Bildberichte über spannendes Wetter!




Der Lake Thunderbird und abendliches Livekonzert zum „Cinqo de Mayo“.
DONNERSTAG, 06. MAI 2010, MANHATTAN (KANSAS)
Das Slight Risk in weiten Teilen des nördlichen und östlichen Kansas wurde verifiziert. Warme und relativ feuchte Luft wehte heute mit einem böigen Südostwind von Oklahoma Richtung Norden und es waren ab dem frühen Abend zuerst lokale, später dann verbreitete schwere Gewitter mit Hagel und Sturm zu erwarten. Wir entschieden uns für den Raum Salina (KS) als unsere "Target Area" und warteten den späten Nachmittag bei leichter Schwüle, einem immer wolkiger werdendem Himmel und Südostwind ab.
Erst gegen 20:00 Uhr schaffte es eine Zelle – im Abendlicht der gerade untergegangenen Sonne – den recht starken Deckel zu durchbrechen und entwickelte sich rasch zu einer Superzelle. Die kommenden drei Stunden brachte uns dieser Sturm sowie benachbarte Gewitterzellen ein wahres Blitzspektakel mit ununterbrochenem Flackern, Starkregen sowie Hagel. Im Kern der Zelle gab es Meldungen über Hagelkörner bis Tennisballgröße.
Mittlerweile befinden wir uns im Motel in Manhattan (KS) und es ist schon weit nach Mitternacht, das Wetter gibt jedoch noch keine Ruhe, aktuell entwickeln sich immer wieder heftige Gewitter mit schwerem Sturm im Norden und Nordosten von Kansas und unsere Region dürfte in Kürze noch ein wenig davon abbekommen.


Links: Grenzübertritt nach Kansas. Rechts: Inzwischen befinden sich schon zwei iPads in unserem Gepäck. Nicht nur auf dem Sofa, wie vom Hersteller beworben, sondern auch beim Stormchasen macht das Gerät eine gute Figur. Und, entgegen aller Biergarten-Tests, läßt sich das iPad hervorragend auch im Sonnenlicht benutzen.


Abendstimmung vor der Gewitterauslösung östlich von Salina (KS).


Langzeitbelichtung der entstandenen Superzellen (Split Storm).

Sehr gut zu sehen sind Aufwindturm und Amboß der Superzelle vor glasklarem Sternenhimmel.
FREITAG, 07, MAI 2010, NORMAN (OKLAHOMA)
Nach dem Kaltfrontdurchgang mit den gestrigen Schwergewittern ist es in Manhattan (KS) auf 8°C abgekühlt und wir sind wieder in den Bundesstaat Oklahoma gefahren. Auf unserem Weg dorthin lag das Naturschutzgebiet „Tallgrass Prairie National Preserve“, in dem knapp 11.000 Acres (ca. 4.450 Hektar) ursprüngliche Prärie konserviert werden. Wir haben an der dortigen Führung teilgenommen und Tourführer Ron hat uns 43 Sorten Gras erklärt, uns eine hundertköpfige Bisonherde gezeigt und wir haben einen freilebenden Koyoten und einen Cowboy zu Gesicht bekommen; keinen, der Touristen beeindrucken soll, sondern der tatsächlich ausschließlich seiner Aufgabe als Viehtreiber nachgeht. Auf unsere Frage, ob es auch hier die hochgiftige Brown Recluse (Braune Einsiedlerspinne) gebe, die wir 2007 als blinden Passagier in unserem Auto hatten, sagte Ron: „Yeah, we got lots of those guys out here; they’re pretty nasty. Sometimes the smallest animals out here are the most dangerous.“ Treffend formulierte er: „If I can catch something out here, there might be a reason why I shouldn't.“
Die Prärie mit Ihrer schlichten und dennoch interessanten Schönheit auf diese Weise kennenzulernen, war sehr beeindruckend.


Das Landhaus und die Farm der Tallgrass Prairie Reservation.


Der liebenswürdige Tourführer Ron zeigte uns Cowboys und Koyoten.


Auf dem Southwind Nature Trail konnten wir die beeindruckende Weite der Prärie erleben.


Norman (OK) bei Nacht und v.l.n.r. Julian, Eric und Lars.
Heute Abend haben wir eine befreundete Stormchasergruppe aus München getroffen (Eric, Jens, Michael, Marco). Nach einem gemeinsamen Zug durch Norman (OK) übernachten wir nun in den schönen Sooner Cottages, um uns auf die kommende Unwetterlage ab Montag einzustellen. Nach einem Sonntag, der uns einige „elevated storms“ (Gewitter, die von der Grundschicht abgekoppelt sind) mit Hagel bringen kann, kommen am Montag höchstwahrscheinlich die Zutaten für ein meteorologisches Großereignis zusammen: Hohe atmosphärische Labilität, starke Windscherung und sehr wahrscheinliche Auslösung mehrere starker Superzellen im Kansas und im nördlichen Oklahoma. Es wird in den US-Foren bereits spekuliert, ob dies für einen „tornado outbreak“ reichen könnte. Mehr dazu morgen von Lars.
SONNTAG 09. MAI 2010, NORMAN (OKLAHOMA)
Weiterhin verbringen wir die Tage gemeinsam mit den anderen Münchener Stormchasern im schönen Norman (OK). Neben Starbucks- und Steakhousebesuchen warten wir vor allem auf den morgigen Tag, der nach wie vor das Potential zu einem schweren „tornado outbreak“ hat.


V.l.n.r.: Julian, Eric, Marco, Michael, Jens, Lars, Max und Bianca.
Klicken Sie auf das obige Bild, um unseren Videoblog zur
morgigen Schwergewitterlage anzusehen.
Die Vorhersagezentrale des National Weather Service in Norman (OK) hat in einem Update die Entwicklung der verschiedenen Wetterrisiken für heute Montag auf der nachfolgenden Grafik gut zusammengefasst. Wir befinden uns momentan auf der Karte nahe "OKC" (Oklahoma City). Am Montagnachmittag sind entlang der Dryline (braun eingezeichnete Linie) sowie knapp östlich von ihr in feucht-heißer Luftmasse einzelne Superzellen mit sehr großem Hagel sowie isolierten Tornados zu erwarten. Westlich der Dryline prescht gleichzeitig trockene und heiße Luft mit heftigem Wind nach Osten.

MONTAG 10. MAI 2010, NORMAN (OKLAHOMA)
Update 14:17 Uhr: Wir befinden uns in Enid (OK), im westlichen Oklahoma ist bereits eine erste Zelle entstanden.
08:57 Uhr: Im neuesten Outlook hat das Storm Prediction Center (SPC) für das nördliche und nordöstlicher Oklahoma sowie für den äußersten Südosten von Kansas ein „HIGH RISK“ herausgegeben. Dies ist die höchste Stufe und deutet auf ein hohes Potential für schwere Gewitter mit Extremhagel und möglicherweise starken Tornados hin.
Das Zeitfenster für Superzellen mit "Significant Severe Weather" ist etwa zwischen 15:00 Uhr und Mitternacht Ortszeit. Betroffen sind u.a. auch die dichter besiedelten Regionen um Oklahoma City, Tulsa und Wichita. Wir bereiten uns derzeit mit einer ausführlichen Analyse auf das bevorstehende Unwetterereignis vor. Draußen sieht es aktuell noch eher novemberlich aus, ein Blick aus dem Motelfenster zeigt einen grauen, trüben Himmel und es weht ein starker Südostwind bei 17°C. Mit jeder Stunde steigt die Schwüle und mit jeder Stunde nimmt der Wind weiter zu, zum frühen Nachmittag werden bis zu 29°C bei drückender Schwüle erwartet, bevor sich dann einzelne, starke Superzellen bilden werden.
Neben der Anspannung bei uns im Team schwingt natürlich die Hoffnung mit, dass wir beeindruckende Bilder und Eindrücke festhalten. Andererseits bleibt zunehmend auch die Sorge, dass Dörfer und Städte hier im schönen Oklahoma zu Schaden kommen könnten. Wir hoffen, dass sich die Tornados meist auf freier Fläche austoben werden.
Nach unserem Chasing gibt es an dieser Stelle eine Aktualisierung.


Das SPC hat für Nord-Ost-Oklahoma und Süd-Ost-Kansas eine „HIGH-RISK“ und eine 30-prozentige Tornadowahrscheinlichkeit herausgegeben.
MONTAG 10. MAI 2010, TULSA (OKLAHOMA)
Wie erwartet kam es heute in vielen Teilen Oklahomas sowie im Süden und Südwesten von Kansas zu einem regionalen Outbreak mit zahlreichen Superzellen, extremem Hagel und mindestens 12 Tornados. Nachstehend die bisher eingegangenen "Severe Reports" für den 10. Mai 2010. Nach bisherigen Meldungen in den lokalen Medien kamen leider auch fünf Menschen ums Leben und zum Teil wurden schwere Schäden angerichtet.
Wir haben uns für eine Zielzone ("Target Area") etwas nördlich von Enid (OK) entschieden und kamen gegen 13:00 Uhr dort an. Zu diesem Zeitpunkt setzte sich in der Umgebung von Enid bereits die Sonne immer mehr gegen kompakte, tiefe Wolkenfelder durch. Die tiefen Wolkenfetzen wurden von einem stürmischen, schwülen Südwind über den Himmel getrieben und die Temperatur stieg schnell bis auf rund 28°C. Es dauerte nicht lange und die ersten Zellen bildeten sich im Westen Oklahomas entlang der sogenannten Dryline, einer Grenzlinie zwischen sehr feuchter und energiereicher Luft im Osten und trockenheißer Luft westlich davon. Diese Zellen zogen dann - angetrieben durch extrem starken Höhenwind mit 70 bis 100 km/h nach Nordosten. Die intensivste Zelle gegen 15:00 Uhr konnten wir knapp westlich von Medford (OK) schneiden und beobachteten bei massivem Inflow unmittelbar nacheinander zwei kurzlebige Tornados etwa zwei Meilen nordwestlich von uns.
Anschließend verfolgten wir diese gefährliche tornadobewarnte Zelle noch einige Zeit, in Medford heulten die Tornadosirenen (siehe Videoclip) als wir durch den Ort fuhren. In den kommenden Stunden war es für uns im Grunde ein High-Speed-Chasing-Ereignis, denn es war trotz recht gutem Straßennetz sehr schwer, mit solch extrem schnellen Zellen mitzuhalten. Zwischen Red Rock und Ponca City konnten wir einen zweiten, kurzlebigen Tornado beobachten, zudem hagelte es zeitweise stark mit einem Korndurchmesser bis etwa 6 Zentimeter.
Weitere Superzellen beobachteten wir dann nach 18:00 Uhr noch in Osage County bevor wir zum frühen Abend in Tulsa Halt machten, um uns nach diesem spannenden, aber auch stressigen Tag ein wenig auszuruhen.
Die gefährliche Wetterregion ist nun nach Osten weitergezogen, in der kommenden Nacht dürfte es hier im Nordosten Oklahomas weitgehend ruhig bleiben. Morgen und am Mittwoch besteht jedoch wieder die Gefahr einzelner schwerer Gewitter und Tornados, allerdings nicht in der Intensität wie am heutigen Montag.
Klicken Sie auf das obige Bild, um unseren Videoblog zum
heutigen „tornado outbreak“ anzusehen.

Tornadische Superzelle nördlich von Enid (OK).
DIENSTAG, 11. MAI 2010, BLACKWELL (OKLAHOMA)
Nach dem heftigen Outbreak am gestrigen 10. Mai sah der Start in den Tag in Tulsa (OK) zunächst eher grau und kühl aus. Über Nacht hatte sich eine schwache Kaltfront von Nordwesten her bis etwa entlang der Interstate 44 ausgebreitet. Daher waren die Frühtemperaturen in Tulsa mit etwa 17°C erträglich, doch im Süden von Oklahoma sowie im Norden von Texas lag weiterhin eine hochlabile, drückend schwüle Luftmasse.
Diese sollte sich laut der verschiedenen Wettermodelle im Laufe des Tages langsam wieder nach Nordwesten verlagern. Unser Zielgebiet lag im Westen einer "SLIGHT RISK"-Area nahe Clinton (OK). Dies bedeutete aber nach einem ausgiebigen Frühstück erstmal eine dreistündige Fahrt quer durch den Staat nach Südwesten, aus den tiefen Wolkenfeldern ab in die Sonne. Nachmittags kam dann von Süden die Warmfront durch und während wir in einem sehr netten kleinen Coffee House im Zentrum der kleinen Stadt Weatherford (OK) noch ein wenig entspannten und die aktuellen Wetterdaten prüften, stieg die Luftfeuchtigkeit mit einem böigen Südostwind stündlich wieder an. Nach etwa 16 Uhr war es dann ohne Klimaanlage kaum auszuhalten. Am Comfort Inn trafen wir dann mehr oder weniger zufällig wieder die anderen Münchener Chaser. Die andere Gruppe hat in einem der gestrigen Tornados Ihre Außenspiegelkappe verloren.

Treffen in Weatherford (hinten v.l.n.r.: Lars, Marco, Michael, Jens, Max und vorne v.l.n.r. Bianca, Eric und Julian).
Gestern entstanden in einer hochdynamischen Lage mehrere starke Superzellen, welche rasend schnell durchs Land zogen und zwischen vielen Wolken war oft wenig Platz und Zeit zum beobachten. Heute war nicht die Frage, wie schnell die Gewitterzellen ziehen, sondern vielmehr, ob sich überhaupt eine Superzelle bildet. Immerhin war der "Deckel" eine Schicht warmer, trockener Luft oberhalb der energiereichen Tropenluft in Bodennähe so stark und die Hebung in der Atmosphäre so schwach, dass es im schlechtesten Fall bis auf ein paar größere Quellwolken auch gar nichts zu sehen geben könnte.
Die erste Zelle südwestlich der kleinen Stadt Cordell hatte dann auch nach etwa 40 Minuten schon den Geist aufgegeben und trocknete aus, ähnlich erging es ein paar weiteren Zellen knapp nördlich der Interstate 40 bei Clinton.

Die erste vertrocknete Zelle südwestlich von Cordell (OK) ...

... ließ uns einige Minuten Zeit für Landschaftsaufnahmen.
Erst kurz vor Sonnenuntergang zeichnete sich dann ab, dass eine Zelle das Rennen machen würde. Extrem viel Energie war ja vorhanden und nun bildete sich ein recht isolierter Gewittersturm (eigentlich anfangs zwei) südwestlich von Woodward (OK) und brachte neben großem Hagel fantastische Wolkenstrukturen mit sich.
Die Heftigkeit der Entwicklung war mit bloßem Auge erkennbar und für die Stadt Woodward bestand kurzzeitig sogar die Gefahr eines Tornados. Am späten Abend fuhren wir dann nach Osten Richtung Interstate 35, um im äußersten Norden Oklahomas noch einige der zu erwartenden schweren Nachtgewitter zu beobachten.


In Stein gemeißelte Aufwinde und Mammatuswolken im Abendlicht zum Greifen nahe – so etwas haben auch wir so intensiv und beeindruckend noch nie erlebt.
Klicken Sie auf das obige Bild, um unseren Videoblog zum heutigen Chasing anzusehen.
MITTWOCH, 12. MAI 2010, ENID (OKLAHOMA)
Nachdem wir am Dienstag zusammen mit guten hundert weiteren Stormchasern und der Vortex II - Armada den "Sweet Spot" des Tages im Nordwesten von Oklahoma gefunden hatten, deutete sich für den gestrigen Mittwoch eine deutlich schwierigere Wetterlage an. Nach nächtlichen Gewittern über Teilen von Kansas lag Dienstagmorgen eine schwache Kaltfront quer über dem Westen und Norden von Kansas, die im Laufe des Tages langsam nach Südosten zog, während die Dryline sich an der Grenze zum Texas Panhandle befand.
Das Storm Prediction Center (SPC) gab eine sehr breite Zone mit einem leichten Risiko schwerer Unwetter heraus, dieses Gebiet erstreckte sich von Nordwesttexas über Oklahoma und Südkansas bis nach Missouri und noch weiter ostwärts. In dieser Zone mussten wir für uns nun ein Zielgebiet ausmachen, in dem wir mit fotogenen Gewitterzellen und vielleicht sogar einem Tornado rechnen konnten. Das ist ungefähr so, als suche man das beste Gewitter in Europa in einem Bereich zwischen Südfrankreich und Norddeutschland.


Warten am „Miller’s Drive In“ in Augusta (KS). Mr. Miller und seine Frau betreiben das Restaurant seit 46 Jahren und erzählten uns, daß es zwei Dinge gebe, für die der Ort brühmt sei: 1. Das weltweit erste mit Neonröhren beleuchtete Kino und 2. eine Grashüpfer-Plage, bei der die Grashüpfer gar das Holz von den Gebäuden gefressen haben. Seitdem gibt es im Augusta das jährliche Grasshopper-Festival.
Keine leichte Aufgabe also, zumal diesmal einige Parameter nicht so ganz passten und sich an der Kaltfront bereits nachmittags viele Gewitter mit Sturm zu einer Linie zusammenschlossen. Die Frage war, sollten wir in den Südosten von Kansas oder vielleicht doch lieber an die Dryline im Westen von Oklahoma. Wir entschieden uns dann für ein Ziel nahe Wichita, KS und warteten dort ab. Leider war die Bewölkung recht dicht und als sich die Linie dann westlich von Wichita bildete, fuhren wir westwärts unter dichten Wolken, die irgendwann immer dunkler und bedrohlicher wurden. Die Zellen waren leider recht outflow-dominant, d.h. kühler, starker Wind bläst schon vor den Gewittern vorweg, nicht die Art Zellen, die wir suchten.


Unspektakulärer Durchzug der Kaltfront mit einem Temperatursturz von 27°C auf 11°C.
Der restliche Nachmittag verlief dann auch nicht sonderlich spektakulär, wir beobachteten noch mehrere Zellen - oder neu entstehende Teile davon - bevor wir uns dann dazu entschlossen, wieder nach Oklahoma südwärts zu fahren und dort die Nacht zu verbringen. Die schweren Unwetter weiter im Westen und Südwesten Oklahomas waren jedoch noch nicht vorbei und es bildeten sich bis in die Nacht hinein neue Gewitterregionen, die nach Nordosten zogen. Da wir bislang von Nachtgewittern noch nicht sehr viel mitbekommen hatten, nahmen wir diese Gelegenheit wahr und entschlossen uns für Enid, OK als Übernachtungsort mit der Chance auf stundenlanges Geblitze. Was sich dann jedoch südwestlich von Enid formierte, übertraf dann doch unsere Erwartungen etwas. Plötzlich gab das NOAA Weather Radio wieder Alarm und es wurde vor einem sog. Bow Echo (bogenförmiges Radarecho einer Gewitterlinie mit Sturm oder Orkan) gewarnt. Die Zugbahn: Genau durch Enid!
Nach etwas mehr als einer halben Stunde wälzte sich diese Gewitterlinie dann auch mit hohem Tempo durch unsere Region. Die Böen erreichten 115 km/h, Äste brachen ab, Teile des Daches unseres Motels lösten sich und knallten auf den darunter liegenden Parkplatz. Danach setzte wolkenbruchartiger Regen ein und es blitze pausenlos. Bis weit in die Nacht hinein blitze und flackerte es weiter, in der Nähe zeichnete eine Wetterstation fast 50 Liter Regen pro Quadratmeter auf, in Hamburg im Mai beinahe ein Monatssoll.
Wir bekamen also unser Nachtgewitter - ein Nachtunwetter mit allem was dazu gehört. Heute lassen wir es dafür auch ruhiger angehen, kühlere Luft hat die schwülheiße Golf-von-Mexiko-Luft vertrieben und wir können uns etwas ausruhen.
Klicken Sie auf das obige Bild, um unseren Videoblog zum
heutigen „Bow Echo“ in Enid (OK) anzusehen.
DONNERSTAG, 13. MAI 2010, NORMAN (OKLAHOMA)
Aufgrund des Kaltfront-Rückseitenwetters folgt wie jedes Jahr ein Ausflug in die lustigeren Jahre US-Amerikanischer Automobilgeschichte. Auf unserer Überlandfahrt von Enid (OK) nach Norman (OK) haben wir bei einem Auto-Restaurateur in Crescent (OK) Halt gemacht.








Die heutige Nacht und der morgige Tag versprechen Regen und Gewitter; ob Potential für „severe weather“ besteht, erfahren Sie morgen in diesem Blog.
FREITAG, 14. MAI 2010, ABILENE (TEXAS)
Nach der Fahrt von Norman (OK) nach Abilene (TX) hatten wir auch heute keine schweren Unwetter, wohl aber ein kräftiges Gewitter bei unserer Ankunft im Motel. Nach dem einchecken – zur Begrüßung – schlug eine kräftige Entladung in eine Laterne auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein. Für morgen besteht ein „SLIGHT RISK“ für Südwest- und Zentraltexas.
SAMSTAG, 15. MAI 2010, FREDERICKSBURG (TEXAS)
Derzeit tut sich das Storm Prediction Center aufgrund einer nicht einfach vorhersagbaren Wetterlage etwas schwer mit der Einstufung und Plazierung der RISK-Gebiete. Umso mehr müssen wir die Stürme mit der kurzfristigen Vorhersage selber finden, sobald sie entstehen. Entgegen der Vorhersage hat sich im Laufe des Abends kein Multizellencluster (ein riesiger Zusammenschluß vieler Gewitterzellen) entwickelt, sondern es sind drei isolierte und sehr ästhetische Gewitterstürme entstanden (die kurzeitig tornadisch bewarnt waren).


Superzelle im Mason County (TX) mit stark ausgeprägten Mammatuswolken.


Gewittersturm bei Fredericksburg (TX) mit Böenfront.


Der zweite Sturm hat in Fredericksburg große Mengen Hagel mit 2-4 cm Durchmesser sowie schwere Regenfälle produziert, welche die Kanalisation recht bald überforderten. Im wenige hundert Meter breiten Hagelstreifen sank die Temperatur auf 11°C, während es drei Straßen weiter noch 20°C waren.

Der Abzug der Zelle bot uns noch ein beeindruckendes Bild; wieder sind an der Amboßunterseite sehr plastische Mammatusformationen erkennbar.
Der Sturm setzte uns also im schönen, von deutschen Siedlern gegründeten Fredericksburg (TX) ab. Der Ort ist in den USA bekannt für Weinanbau und eben die sehr deutsche Kultur (mit Biergärten und deutsch geprägter Küche). In einem Saloon kamen wir bei Shiner Bock Bier und sehr gutem Country-Rock mit Einheimischen ins Gespräch. Wieder waren wir beeindruckt von der uns entgegengebrachten Offenheit und Freundlichkeit. Der Ort ist eine Perle für jeden Texasreisenden.



SONNTAG, 16. MAI 2010, GRANBURY (TEXAS)
Nach einem schönen und langen Abend in Fredericksburg zeigte sich der Sonntag von der Wetterlage her anfänglich nicht uninteressant. Das SPC hatte für Teile von Westzentraltexas und weiter bis nach Oklahoma hinauf ein Slight Risk herausgegeben. An feuchtwarmen, labilen Luftmassen fehlte es nicht, jedoch war es mit der Dynamik in der Atmosphäre nicht weit her und so folgte gegen Mittag ein Downgrade auf eine normale Gewitterzone. In Oklahoma brachte eine isolierte Superzelle lokal bis zu zehn Zentimeter große Hagelgeschosse, währenddessen entschieden wir uns bei 30°C und einem Himmel voller Quellwolken in Brady, Texas zu einer gemütlichen Fahrt nach Granbury, südwestlich von Fort Worth.
Dort wollen wir am Abend Freunde eines Tourgastes besuchen. Auf dem Weg dorthin entwickelten sich im Laufe des heutigen Nachmittags immerhin einige Gewitterzellen, die zwar nicht an die Intensität einer Superzelle heranreichten, aber dennoch für einen kurzen Schlenker nach Südosten ins Bosque County reichten. Die Zellen entwickelten sich schnell, brachten jedoch aufgrund fehlender Organisation meist nur kurzzeitig kleineren Hagel, Sturm und einige Blitzeinschläge. Somit können wir nun den siebten Tag in Folge mit Gewittern verbuchen.




Für die letzten Tage unserer Tour 2010 deutet sich wieder interessantes Wetter an. Die Grafik des National Weather Service Forecast Office in Norman, OK zeigt einfach und prägnant die Situation für Dienstag und Mittwoch an. So werden besonders im Texas Panhandle jeweils nachmittags und abends schwere Gewitter inklusive Superzellen erwartet, die sich zur Nacht dann zu einem größeren System ausweiten und nach Südosten ziehen. Somit besteht für uns zum Abschluss wieder Potential für gute Chasings.

MONTAG, 17. MAI 2010, GRANBURY (TEXAS)
Der heutige Tag war gewittertechnisch ziemliches Mittelmaß. Nach den Sonntagszellen in Zentraltexas brannte am Vormittag die Sonne von einem fast wolkenlosen Himmel und es war einmal mehr sehr schwül. Weit nordwestlich von uns brachte jedoch ein Gewittersystem schon in den Morgenstunden Orkanböen bis 135 km/h und Hagel. Dieses konvektive System zog im Laufe des Tages weiter nach Südosten, während sich davor an einer schwachen Front neue Gewitterzellen bildeten. Nachmittags wuchs dann alles zwischen Dallas und Abilene mit riesigen Gewittergebieten zu, doch meist brachten diese vor allem sehr viel Regen, etwas Hagel und einige Sturmböen. Mehr Dynamik dürfte der morgige Dienstag bringen, dann werden wir uns ins Texas Panhandle begeben und hoffentlich wieder fotogene Superzellen beobachten.


Unorganisierte Gewitter bei Eastland (TX).


V.l.n.r.: Lars, Teddy, Max, Bianca und Julian in Downtown Fort Worth.


Downtown Fort Worth (TX).
DIENSTAG, 18. MAI 2010, ON THE ROAD IN TEXAS
Das SPC hat ein Upgrade auf „MODERATE RISK“ vorgenommen. Vor uns liegen nun 7 Stunden Fahrt von Granbury (TX) bis wahrscheinlich nach Amarillo (TX), damit wir die Zone einer Tornadowahrscheinlichkeit von 15 % erreichen können.
Nach dem Chasing heute Abend werden wir eher nicht in ein Motel gelangen, sondern direkt zum DFW Airport durchfahren und unsere Koffer morgen früh bei der Autovermietung packen. Insofern bitte ich um Geduld mit dem heutigen Chasing-Bericht, da Fahrer und Blogschreiber ein und dieselbe Person sind.
In jedem Fall ist das „MDT“ ein schönes Abschiedsgeschenk für uns.

MITTWOCH, 19. MAI 2010, DALLAS / FORT WORTH (TEXAS)
Der letzte eigentliche Chasingtag unserer diesjährigen Tour erinnerte über weite Strecken an ein Szenario aus dem Jahr 2007, als wir von Dallas aus eine lange Hin- und Rückfahrt für ein Moderate Risk-Gebiet im Oklahoma Panhandle in Kauf nahmen.
Auch diesmal zeichnete sich der Dienstag schon zu Wochenbeginn als interessanter Tag ab, als jedoch am Dienstagmorgen das Storm Prediction Center (SPC) offiziell von Slight auf Moderate hochstufte und sich auch die Wetterkarten mehr in Richtung Superzellen mit Tornadogefahr einigten, war klar, dass es wieder ein besonders anstrengender Chasingtag werden würde.
Nach einer über fünfstündigen Fahrt von Granbury, Texas nach Tulia im Texas Panhandle waren die Erwartungen trotz leichter Müdigkeit hoch. Mit starkem Südostwind wurde feucht-warme Luft aus dem Golf von Mexiko auf die High Plains getrieben und gleichzeitig schob sich ein massiver Jetstream aus dem trockenen New Mexico gen Nordosten. Die Mischung war günstig für Superzellen mit großem Hagel und einigen Tornados.
Nachdem wir westlich von Tulia einige Zeit vergeblich auf "Zündung" warteten, während nordwestlich von Amarillo eine erste, sehr heftige Gewitterzelle entstand, entschlossen wir uns nach einigem Zähneknirschen dann doch zur Weiterfahrt in den Norden bis in die Gegend um Stinett, ein kleiner Ort nordöstlich von Amarillo, wohin sich die tornadische Superzelle langsam durchgearbeitet hat.


Es blieb uns nur noch eine gute Stunde Tageslicht, doch dass die Show auch nach Sonnenuntergang noch extrem lohnenswert sein würde, dachten wir zunächst nicht. Die rotierende Zelle zeigte keinerlei Schwächen und marschierte gerade weiter nach Ostsüdost und wir mit ihr am Südrand. Bis kurz nach 23:00 Uhr erlebten wir eine unglaubliche Blitzshow mit einem Dauergeflacker par excellence. Garniert wurde das ganze mit starkem Inflow-Wind bis 75 km/h und einem massiv rotierenden Aufwind. Eine Tornadowarnung folgte der anderen, doch in der Dunkelheit und nur vom Schein der ständigen Blitze erhellt war es schwierig zu sehen, ob sich aus der Wolkenbasis nochmals ein Wolkentrichter herabsenkte oder nicht.




Bei Canadian fuhren wir schließlich noch unter die Zelle und nah an den Hagelbereich heran. In Canadian selbst hagelte es hühnereigroße Eisbrocken und zeitweise waren auch Tornadosirenen zu hören. Insgesamt war es ein wirklich würdiger Abschluss einer spannenden Tour durch die Great Plains der USA.


Wir bedanken uns bei allen Lesern unseres Blogs und hoffen, daß Sie auch nächstes Jahr wieder mit dabei sind – im Blog oder live mit uns in den Great Plains!














